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Artikel: Barbara Rütting - Warum ich Vegetarier bin   

 
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Charissima
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BeitragVerfasst am: 29.03.2006, 15:24    Titel: Artikel: Barbara Rütting - Warum ich Vegetarier bin   Antworten mit Zitat

Barbara Rütting hatte einmal die Repräsentanz für Rai-Reiten in Österreich.

Der Artikel stammt aus dem Buch

"Warum ich Vegetarier bin - Prominente erzählen" von Helmut F. Kaplan (Hg.), rororo-Verlag Juli 1995.


Zitat:
BARBARA RÜTTING, Autorin
Plädoyer für eine vegetarische Lebensweise:

Als ich 1969 in das kleine Bauernhaus im Salzburgischen zog, brachte mir der Jäger einen Fasan als Geschenk. Einige Stunden zuvor hatte ich den prächtigen bunten Vogel noch majestätisch durch die Wiesen stolzieren sehen.
Ein junger, gesunder Fasan ist offenbar recht zäh. Er mußte einige Tage im Keller «abhängen», um genießbar zu werden. Da hing er nun, so wundervoll gefiedert, aber tot. Irgendwann konnte ich es nicht länger aufschieben, ich mußte ihn rupfen und braten. In einer köstlichen Sauce, mit Weintrauben garniert, stand er schließlich bei Kerzenlicht auf dem schön gedeckten Tisch. Wir leerten ein Glas edlen Weins auf den festlichen Anlaß - dann stocherten wir in unseren Tellern herum, solange, bis jeder gestand: Ich kann es nicht. Ich kann ihn nicht essen.
An diesem Abend hat unser Hund den ersten und einzigen Fasan seines Lebens verspeist. Und wir nur Klöße und Weinkraut... Das nächste kulinarische Desaster bescherte mir ein Kaninchen, ebenfalls ein Willkommensgeschenk. Ich mußte ihm zuerst das Fell über die Ohren ziehen und dann auch noch die sieben Häute ablösen, mit denen die Natur das Tier ausgestattet hat. Einem Embryo ähnlich, sich zunehmend bläulicher verfärbend, lag es in der von der Nachbarsbäuerin empfohlenen Rotweinmarinade. Nur unter Tränen und mit Hilfe einer halben Flasche Whisky vermochte ich die Kaninchenleiche durch viel Rosmarin und Crème fraiche in einen Zustand zu bringen, der Feinschmeckern das Wasser im Munde hätte zusammenlaufen lassen. Verspeist hat‘s - wiederum - der begeisterte Hund.
Zum Rehbraten kam es dann gar nicht mehr. Die entzückenden Bambis mit ihren Lackschnäuzchen, die unter meinen Apfelbäumen zutraulich die herabgefallenen Früchte schmausten, mit Preiselbeeren angerichtet? Unmöglich! Und gar der Franzi, des alten Gustls Lämmchen, in grünen Bohnen? Unvorstellbar!

Die Entwicklung nahm ihren Lauf, meine Sensibilisierung, nicht nur in bezug auf das Essen von Tieren, ließ sich nicht aufhalten.
Von Tolstoi wird berichtet, er habe eine verwöhnte Prinzessin, die maulte, daß es in seinem Hause «nichts Gescheites » (sprich Fleisch) zu essen gebe, in die Küche geführt, in der ein angebundenes Kälbchen stand, und der verdutzten Dame ein Messer in die Hand gedrückt mit der Aufforderung, sich zu bedienen.
Wenn jede / r die Tiere, die sie / er zu verzehren beabsichtigt, selbst schlachten müßte - wer würde dann noch Fleisch essen? Die Kinder bestimmt nicht. Und die Kinder sind die Erwachsenen von morgen. Gerade ihnen wird aber nach wie vor anerzogen, Fleisch sei « ein Stück Lebenskraft».
Vom Vegetarier und Pazifisten Tolstoi stammt auch der Satz «Solange es Schlachthöfe gibt, wird es Schlachtfelder geben». Nun glaube ich nicht, daß Vegetarier grundsätzlich schon bessere, friedfertigere Bürger sind als andere; dennoch scheint mir, daß Menschen, die sich Gedanken machen, wieviel an Leben sie das Recht haben, sich zu nehmen - auch der Salatkopf ist schließlich ein Lebewesen -‚ ebenso mit anderen Fragen des Lebens bewußter und behutsamer umgehen. Was mich betrifft, so habe ich mich immerhin in meiner Phase als Karnivore ohne größere Gewisscnsbisse an Herz am Spieß, Gänseleberpastete und Schildkrötensuppe delektiert, leider auch Pelzmäntel getragen und mir auch sonst, von meinem heutigen Standpunkt aus ziemlich rücksichtslos, an anderem Leben genommen, worauf ich Lust hatte. Ob fein gehackt im Laden oder im Restaurant gaumenschmeichlerisch zubereitet, heute kann ein Fleischgericht noch so verführerisch gewürzt duften - ich rieche das Blut und die Verwesung und höre die Todesschreie der gemarterten Tiere. Und rien ne va plus.

Es waren also weniger ernährungsphysiologische als vielmehr emotionale, ästhetische, ethische Aspekte, die mich zur Vegetarierin machten. Ich weiß nicht, ob Jesus tatsächlich Vegetarier war, wie oft behauptet. Manches spricht dafür, daß er das Töten von Tieren ablehnte («Ich bin das Lamm»). Laut Skriver, abtrünniger Pastor und Autor des Buches «Verrat der Kirchen an den Tieren», waren sowohl Jesus wie auch die Christen bis zum 3. Jahrhundert nach ihm Vegetarier - und glaubten an die Reinkarnation. Eugen Drewermann, ebenfalls Vegetarier, ist heute einer der wenigen Theologen, die auf das Gebot des Vegetarismus für Christen hinweisen und entsprechende Bibelsprüche zitieren wie; «Du sollst nicht töten... Selig, die keine Gewalt anwenden, denn sie werden das Land erben... Wer einen Ochsen schlachtet, ist eben als der einen Mann erschlüge.. .»

Eine Welt, in der niemand mehr tötet, in der der Wolf beim Lamm lagert, der Panther beim Böcklein, Kalb und Löwenjunges gemeinsam weiden und ein kleiner Junge sie hüten kann - diese Prophezeiung des Jesaja wird wohl für unser Erdenleben ein unerfüllbarer Wunschtraum bleiben. Dennoch, Erich Fried hat gesagt: Wer will, daß die Welt so bleibt, wie sie ist, der will nicht, daß sie bleibt. Und von Franz Alt stammt der Satz: Wer soll denn die Welt verändern, wenn nicht du und ich. Ich muß mich ändern, dann ändert sich die Welt! Wir Menschen sind die Zellen des Organismus Erde, der so gesund oder krank ist, wie seine einzelnen Zellen. Jede Zelle trägt die Verantwortung für das Ganze - und der Mensch hat durchaus nicht mehr Rechte als die Tiere, er hat mehr Pflichten.
Der Einstieg in eine Veränderung überhaupt geschieht am einfachsten über eine Änderung der Eßgewohnheiten. Ich bin überzeugt, daß die vieldiskutierte Rettung unseres Planeten nur möglich ist über eine - ich formuliere es bewußt vorsichtig - Annäherung an eine vegetarische Lebensweise. Eine drastische Reduzierung nicht nur des Fleischverzehrs, sondern des Verzehrs von tierischem Eiweiß insgesamt würde die Gesundheit der Bevölketung verbessern (viele unserer Krankheiten sind Eiweißspeicherkrankheiten), ferner die grauenhafte Massentierhaltung zumindest verringern und schließlich zur Linderung des Hungers in der sogenannten dritten Welt beitragen, aus deren Ländern wir Futter für unser Vieh beziehen. Sieben Kilo pflanzliches Eiweiß gehen durchschnittlich drauf für ein Kilo tierisches Eiweiß - das Vieh der Reichen frißt das Brot der Armen. Eine ungeheure, gewissenlose Verschwendung, die nicht länger zu verantworten ist.
Harvey Diamond, Autor des Bestsellers «Fit fürs Leben», schlägt einen Tag ohne tierisches Eiweiß weltweit vor. Ich zitiere: „Wenn wir einen Tag pro Woche ohne Fleisch, Wurst, Milch und Eier auskommen, würden wir so viel Getreide einsparen, daß wir damit all die 60 Millionen Menschen ernähren könnten, die jedes Jahr den Hungertod sterben.“
Ich plädiere deshalb für eine behutsame, liebevolle Annäherung an eine vollwertige, vegetarische Ernährung, ohne Verurteilung derjenigen, die «noch Fleisch essen. Das habe ich selbst schließlich auch einmal getan.

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Wer die Menschen kennt, lernt die Pferde lieben.
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Antonia



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BeitragVerfasst am: 30.03.2006, 01:17    Titel:   Antworten mit Zitat

Wieder einmal ein wunderbarer Artikel, den ich rundmailen muss Hoho
Gerade die Themen: Kinder und Fleisch essen und das mit der 3.Welt fand ich wirklich interessante u. wichtige Aspekte!

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"Gewalt ist die letzte Zuflucht der Inkompetenten" (Isaac Asimov)
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