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Der Belohnungston   

 
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BeitragVerfasst am: 11.11.2006, 21:09    Titel: Der Belohnungston   Antworten mit Zitat

Der Belohnungston - von Fred Rai

Die Ausbildung von Pferden spielt sich nicht im Instinktbereich ab, sondern im Lernvermögen dieser Tiere. Das Ziel jeder Ausbildung ist es, dem Pferd ein vom Menschen gewünschtes Verhalten beizubringen.

Dazu gibt es zwei gegensätzliche Lehrmethoden:

Erstens: Das gewünschte Verhalten zu belohnen, oder...
Zweitens: das unerwünschte Verhalten zu bestrafen.

Leider wird in den meisten Fällen der zweite, für das Pferd unangenehme Weg gewählt.

Angst macht gehorsam, auch bei Pferden. Niemals wird durch diese Lehrweise aber eine freiwillige Leistungsbereitschaft des Tieres erreicht. Die Androhung oder Ausführung von Strafen führt weder bei der Kindererziehung noch bei der Ausbildung eines Tieres zu großer Leistungsbereitschaft oder Lernfreude.

Wenn ich meine Freude beim Umgang mit den Pferden und beim Reiten haben will, muss ich diese auch meinem Pferd gönnen, indem ich gewünschtes Verhalten und freiwillige Leistung belohne.

Ein sogenannter “stolzer“ Reiter empörte sich einmal: “Ich habe es nicht nötig, mich bei meinem Pferd einzukaufen!“ Ich antwortete ihm:“ Und ich habe es nicht nötig, meine Minderwertigkeitskomplexe auf Kosten eines Tieres zu befriedigen, indem ich es klein mache.

Um es noch einmal klar und deutlich auszudrücken: Die Belohnung einer erbrachten Leistung meines Tieres hat überhaupt nichts mit dem inkonsequenten und falschen „Einkaufen“ oder gar dem „Kaufen wollen“ von Liebe und Gehorsam zu tun. Das ist tatsächlich nicht möglich.

Um zu verhindern, dass Pferde ständig nach Belohnung betteln, ist es unabdingbar, diese Tiere einen Belohnungston zu lehren. Ich verwende dabei ein ruhiges „Hoho“. Jeder andere Ton oder auch ein Knacken erfüllt den selben Zweck. Der Belohnungston muss grundsätzlich vor der Verabreichung angewandt werden, damit das Pferd lernt, dass nur in Verbindung dieses Tones eine Möhre oder sonstige Leckerei (in der Regel verwende ich Pellets) verabreicht wird.

Wenn ein Pferd bettelt, gebe ich ihm grundsätzlich nichts, sondern werde es mit einem „Bestrafungston“, einem Zischlaut, zurechtweisen. Fast alle Problempferde sind notorische Bettler und ahnden das Fehlen einer Leckerei mit Zwicken oder Beißen.

Dies ist die Antwort auf inkonsequentes Verhalten und das „Einkaufen wollen“ der Pferdebesitzer, die nicht willens oder nicht in der Lage sind, dem Pferd die klarlinige Führung zu geben, die dieses Herdentier benötigt, um sich sicher und geborgen zu fühlen und mit der es bereit ist, freiwillig zu gehorchen.

Belohnungston – der Schlüssel zum Pferd
Es ist unglaublich, wie schnell Pferde den Belohnungston erlernen. Noch kein Pferd war „dümmer“ als zwei Minuten. Bereits nach dieser kurzen Zeitspanne reagierten alle Pferde auf das „Hoho“ und brachten dieses mit Belohnung in Verbindung.

Das „Hoho“ wird der Schlüssel zum Pferd. Es assoziiert diesen Laut schon bald mit positiven Erfahrungen. Damit nehme ich den Pferden die Angst im Straßenverkehr, behebe in kürzester Zeit die Kopfscheuheit, den Sattelzwang oder das ängstliche Wegziehen oder Ausschlagen beim Aufheben der Hufe.

Der Belohnungston ist ebenfalls hilfreich beim Verladen der Pferde, um ihnen die angeborene Angst vor dem unsicheren Untergrund der Verladeklappe zu nehmen.

Gerade bei Problempferden, die den Menschen meist mit negativen Erfahrungen und Schmerzen in Verbindung bringen, ist der Belohnungston die Voraussetzung, dem Pferd die Angst zu nehmen und das Vertrauen zu gewinnen. Sie verdrängen damit, den Menschen im Feindbild zu sehen und unterlassen gefährliches Verhalten wie Ausschlagen und Beißen. Das “Hoho“ wird zum wichtigen Verständigungsmittel zwischen Mensch und Tier.

Der Belohnungston ist die Voraussetzung zur erfolgreichen Ausbildung und Korrektur eines Pferdes, damit diese ängstIichen Tiere den Menschen und die Arbeit mit ihm mit erfreulichen Gefühlen in Verbindung bringen.

Das Lehren des Belohnungstones ist also die erste Lektion bei den praktischen Übungen, mit denen der Mensch ohne Schmerzeinwirkung die Dominanz über sein Pferd erhält. In der nächsten Ausgabe werden wir mit der Praxis beginnen.

... Fortsetzung folgt



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BeitragVerfasst am: 20.11.2006, 22:56    Titel:   Antworten mit Zitat

Das Lehren des Belohnungstones - von Fred Rai

Im letzten Heft befassten wir uns mit den Gründen, die für einen Belohnungston sprechen. Nun beginnen wir mit den praktischen Übungen.

Ich stelle mich seitlich an die Schulter des Pferdes. Mein Körper und meine Füße sind leicht vom Pferd weggedreht. Nur so kann ich ein unruhiges Pferd mit meiner Hüfte wegdrängen und verhindern, dass bei einem Schritt des Pferdes zur Seite die harten Hufe meine Zehen auf Schuhgröße 87 platt treten.

Der kurz genommene, aber immer leicht durchhängende Zügel führt den Pferdekopf und hält das Pferd seitlich von mir weg. Der geforderte Gehorsam, neben mir ruhig stehen bleiben zu müssen, löst meist das erste Dominanzverhalten des bis dahin ranghöheren Pferdes aus.

Es will nach. vorne weglaufen. Hier muss nun bereits die eiserne Konsequenz des Ausbilders einsetzen.

Nur wenn dieses Weglaufen im Ansatz der Bewegung mit einer Parade, so leicht wie möglich aber so hart wie nötig, verhindert wird, kann man sich gegen das Pferd durchsetzen. Dabei wird man mit der Wut des Pferdes, die durch das “Widersetzen“ des rangniederen Menschen ausgelöst wird, konfrontiert, hatte es doch gelernt, diesen zu dominieren.

Den Zorn kann der Zuschauer leicht am Blick der Pferdeaugen erkennen. Betrachtet er aber meine Augen, wird er sehen, dass meine Wut und mein Durchsetzungswille sicher größer sind als der des Pferdes.

Dies ist der entscheidende Faktor bei der Korrektur eines Pferdes. Durch die Übertragung der Gedankenwellen, die vom Gehirn ausgesendet werden, muss das Pferd meinen eisernen und vor allen Dingen stärkeren Durchsetzungswillen spüren.

Diese Energie ist entscheidend, nicht ein unkontrollierter Wutausbruch, der mit Reißen und Ziehen am Zügel, mit Schreien oder gar Schlagen des Pferdes verbunden ist. Damit kann niemals ein Pferd korrigiert, sondern nur noch mehr verdorben werden.

Dieser Durchsetzungswille und die Angstlosigkeit einem Pferd gegenüber kann nur durch das Wissen entstehen, dass ein Pferd wohl physisch zehnmal stärker ist als der Mensch, dieser ihm aber geistig tausendmal überlegen ist.

Es wäre eine Schande, wenn ich nicht in der Lage wäre, dieses mir auf der Verstandesebene so unterlegene Tier zu dominieren. Nur Dummköpfe glauben, sich auf der Ebene von Kraft und Gewalt, auf der uns diese mächtigen Tiere weit überlegen sind, gegen ein Pferd durchsetzen zu können.

Um auf die praktische Dominanzübung zurück zu kommen - das Weglaufen des Pferdes muss auf alle Fälle verhindert werden. Es muss lernen, dass ruhiges Stehenbleiben neben mir einen lockeren Zügel, Kopffreiheit und Zwanglosigkeit bedeutet und muss begreifen, dass das Weglaufenwollen im Ansatz durch eine unangenehmen Parade mit dem Bändele geahndet wird.

Mit der linken Hand greife ich in die Tasche, entnehme das als Belohnung verwendete Pferdekorn und biete dieses auf der flachen Hand vor meinem Körper dem Pferd an.

Das Wort ‘Hoho“ bedeutet nun, dass es dem Pferd erlaubt ist, sich diese Belohnung zu holen. Beim ersten Mal kann es erforderlich sein, den Kopf des Pferdes leicht mit den Zügeln zur Belohnung zu führen. Dabei ist entscheidend, dass die Hand mit der Pferdebelohnung nicht zum Pferdemaul geführt wird, sondern das Pferd sich die Belohnung vor meinem Körper abholen muss.

Nach dem Verabreichen der Belohnung wird der Pferdekopf mit dem Handrücken in die Ausgangsposition zurückgeführt. Erst dann wird erneut “Hoho‘ angeboten. Meist versuchen die Pferde sofort wieder an die Leckerei zu kommen.

Dies muss, wie beim ersten Mal, auf jeden Fall wiederum im Ansatz mit dem Handrücken und einem für das Pferd unangenehmen Zischlaut verhindert werden.

Nur nach dem Belohnungston “Hoho“ wird der Kopf freigegeben und das Abholen der Leckerei erlaubt. Bei dieser Übung lernt das Pferd, dass das Wort „Hoho“ erwünschtes Verhalten bedeutet und eine unerwünschte Reaktion sofort mit einem Zischlaut geahndet wird.

Es erfährt aber auch, dass die Arbeit mit dem Menschen nicht Zwang oder gar Schmerz, sondern positive Gefühle durch Erhalt von Belohnung auslösen kann. Es wird sich bald auf das tägliche Training freuen.

In der Regel begreifen die Pferde bereits nach fünf Übungen die Bedeutung des Wortes „Hoho“ und haben gelernt, dass eine Belohnung erst nach diesem Ton verabreicht wird.

Bei dieser Gelegenheit möchte ich klar und deutlich mit der weit verbreiteten Meinung aufräumen Pferde seien dumm. Menschen, die so etwas behaupten, haben entweder keine Erfahrung mit diesen Tieren oder schreiben sich besser diese Eigenschaft selbst zu. Es ist unglaublich, wie schnell Pferde lernen und welche Leistungsbereitschaft sie zeigen, wenn die Ausbildung auf der Basis der Belohnung aufgebaut ist.

Wenn Pferde angeblich oft nicht „begreifen“, ist es doch nicht fehlendes Lernvermögen sondern einfach Wehrverhalten, das jahrelang, manchmal lebenslänglich anhalten kam und die Antwort auf die übliche Ausbildungsmethode mit der Bestrafung eines vom Menschen unerwünschten Verhaltens ist.

Verbinden Pferde das Training nicht mit negativen, sondern mit erfreulichen Empfindungen, entwickeln sie nicht nur eine Lernbereitschaft, sondern sogar eine Leistungsfreude.

Wie wir bei den Dominanzübungen sehen werden, lernen sie in Minuten das erwünschte Verhalten und verlieren genauso schnell oft jahrelang bestehende Untugenden.

Mit dem vom Pferd verstandenen Belohnungston habe ich den “Schlüssel“ in der Hand, mit dem ich ihm nicht nur gewünschtes Verhalten zeige, sondern ihm die Angst, die oft gefährliche und unerwünschte Reaktionen und Probleme wie z.B. Kopfscheuheit bei den Pferden auslöst, nehmen kann.
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