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Süddeutsche Karlmay-Festspiele

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BeitragVerfasst am: 30.10.2006, 09:54    Titel: Entstehung und heutige Bedeutung   Antworten mit Zitat

Aus dem Programmheft der Karl May-Festspiele 2006 stammt dieser Artikel von Fred Rai:

Vor 15 Jahren begann mit der Namensgebung „RAI-Reiten“ die Publizierung eines Reitstiles für das Wander- und Geländereiten, der sich in meinem langen Reiterleben vom Englisch-Reiten über das Westernreiten entwickelte. Trotz meiner gründlichen Ausbildung im Englisch-Reiten und meiner damaligen Begeisterung für den Turniersport, den ich 7 Jahre lang erfolgreich bis Klasse „M“ betrieb, gehörte meine Liebe schon immer dem Wander- und Geländereiten. Bei vielen Reiturlauben durchritt ich Deutschlands schönste Landschaften. Die Krönung war die ZDF-Verfilmung meines zweiwöchigen Rittes durch die „Romantische Straße“. „Urlaub zu Pferd“ hieß dieser einstündige Film. Er war der Startschuss für meine Karriere als einziger Sänger mit Pferd.

Meine besondere und so enge Beziehung zu meinem ersten Pferd „Spitzbub“ lehrte mich schon bald, dass das Beherrschen eines Pferdes nicht mit Gewalt, sondern in der Psyche des Pferdes zu finden ist, wenn der Mensch zum Leittier wird. Ich demonstrierte dies bei vielen Veranstaltungen, bei denen ich einen Springparcours ohne Sattel und Zäumung, also auf „blankem“ Pferd absolvierte.

Klar, dass ich so mein Pferd in allen Gangarten auch im Gelände ritt und bei meinen Urlaubsritten nur eine gebisslose Zäumung verwendete. Später bewies ich dies auch bei über 5000 Auftritten mit meinem Pferd als Sänger in fast allen Sälen Europas, oft zwischen tausend Menschen und bis heute ohne einen einzigen Unfall oder Schaden. Das wirkliche Umdenken begann aber vor etwa 30 Jahren, als mir plötzlich das Fehlen eines Schmerzlautes bei Pferden auffiel und die Erkenntnis, dass sie den Schmerz genauso spüren wie wir Menschen, was unschwer bei jedem Mückenstich zu erkennen ist. Ich begann mich mit dem Lebewesen Pferd näher zu befassen. Dank meiner psychologischen Ausbildung ergründete ich schon bald die Psyche und Verhaltensweise dieser Tiere und stellte fest, dass fast nur mechanisches Reiten und nur wenig oder nichts über das angestammte Triebverhalten gelehrt wurde. Ich erkannte, Tiere können nicht wie wir Menschen mit unserem schöpferischen Denkvermögen falsch sein, sondern nur so reagieren, wie es die im Instinkt überlieferten Triebe fordern. So gibt es also keine verdorbenen Pferde.

Die Steiger, Buckler, Durchgänger, Beißer und Schläger zeigen doch nur das natürliche Verhalten im Feindbild den Pumas und Wölfen oder das im Freundbild behaftete Dominanzverhalten den rangniederen Pferden gegenüber. Mit der Erkenntnis, die ich in meinem Buch „Auch wir haben Gefühle“ dokumentiert habe, dass jede Reaktion eines Tieres durch ein Gefühl ausgelöst wird, war die Voraussetzung geschaffen, dass wir Menschen berechenbar zum Leittier unseres Pferdes werden können, unter dem es sich geborgen fühlt und dem es bereit ist freiwillig zu gehorchen. Gepaart mit dem Sitz des Reiters im natürlichen Gleichgewicht des Pferdes und natürlichen Lenkhilfen werden Mensch und Tier eine Einheit wie Centaur in der griechischen Sage. So müssen Pferde RAI-Reiten nicht erlernen, da sie dabei keine künstliche, sondern ihre natürliche Haltung wie in freier Natur einnehmen können.

RAI-Reiten ist der Reitstil für das Wander- und Geländereiten. Wenn man sich im Gelände, auf verkehrsreichen Straßen oder durch Städte sicher bewegen will, ist es lebensnotwendig das Pferd unter Kontrolle zu haben. Dies ist nur ohne Zwang und Schmerzeinwirkung möglich, ist doch das Durchgehen eines Pferdes unkontrollierbares Panikverhalten, das mit Gewalteinwirkung im Pferdemaul nur noch verstärkt wird. Beim RAI-Reiten wird der Mensch auf der Ebene der Gefühle zum Leittier seines Pferdes, dem es das „Sicherheitsdenken“ übergibt und dem es, dank vererbten Verhaltens, bereit ist freiwillig zu gehorchen.

Wir RAI-Reiter bilden Pferde mit Belohnung aus, belohnen also das erwünschte Verhalten. Wer aber glaubt, die Liebe eines Pferdes mit Leckerlis, Inkonsequenz und auf falscher Liebe basierender Gutmütigkeit, was nichts anderes als Schwäche ist, kaufen zu können, oder als andere Extreme mit Gewalt, Zwang oder gar Schmerzeinwirkung sein Pferd brechen zu können, wird beim RAI-Reiten scheitern.

Die Liebe, das absolute Vertrauen, das Verschmelzen mit diesen Tieren muss man sich mit einer gründlichen theoretischen und praktischen Ausbildung, mit Klarlinigkeit und Charakterstärke verdienen. RAI-Reiten ist nicht leicht und schon gar nicht von jedem erlernbar. Es fordert Intelligenz, Konsequenz, Persönlichkeit, also Führungseigenschaft, aber vor allem eine echte Liebe zur Kreatur und Natur und die Bereitschaft über sich selbst nachzudenken und sich auch selbst in Frage zu stellen, also die Größe zu haben, Fehler zuerst bei sich und nicht nur beim Pferd zu suchen. Man wird dafür aber tausendfach belohnt. Wenn das Pferd im Gefühl völliger Geborgenheit und Leistungsbereitschaft zu den Beinen des Menschen wird, wenn die Bewegungen des Tieres zu denen des Menschen und die des Menschen zu denen des Tieres werden, wenn Pferde selbst ohne Zäumung in allen Gangarten im Gelände völlig unter Kontrolle sind, dann versteht man meine Botschaft - Schöpfung ist Natur, Tier und Mensch. Leider besitzen nicht alle Reiter die Gabe und die Voraussetzung dies erleben zu dürfen.
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