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Galopp !!   

 
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Igel





Anmeldungsdatum: 03.09.2008
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BeitragVerfasst am: 23.09.2008, 08:27    Titel: Galopp !!   Antworten mit Zitat

Glücklich
Hinaus geht’s, die Sonne scheint, ein laues Herbstlüftchen weht. Ich will mir die Kutsche aus dem Stall holen, aber irgendwie stehen da drei Mädchenfahrräder vor und ich höre Gekicher aus dem „Mädchen-Club: Betreten verboten“, steht mit Kreide krakelig an der Tür. Die Mädchen aus dem Dorf ham sich hier in der alten Melkkammer ihr Clubhaus eingerichtet, mit ausgedienten Möbeln und Glitzerlametta. Ich reiß die Tür auf:
„Wer ist da?“ Hinter dem Sofa wird getuschelt, aber sie sind nicht zu sehen und machen keinen Mucks.
„Einbrecher?“ grienend mach ich die Tür wieder zu und stell noch einen Holzpfosten schräg davor, so, das man zwar noch raus kommt, aber nicht so leicht. Ich schieb die Fahrräder raus, bevor ich auch die Kutsche unter der Plane hervor hole. Das Geschirr liegt auf der Rückbank bereit, ich muss nur noch in Tomecs Kopfstück die neue Postkandare einfädeln. Weg mit der Liverpool, die hat zu schmale Schlitze für die Karabiner von meinen Plaste-Fahrleinen.

Im Mädchen Clubhaus raschelt es, die Tür schiebt sich einen Spalt auf und Tina guckt raus und es kichert: Plong, der Pfosten scheppert runter und die Tür knallt kurz darauf wieder zu. Ich hab meine Kandaren fast fertig gewechselt, ich muss nur noch die Kinnketten austauschen. Wieder geht die Tür auf, mit einer Hand wird der Pfosten weggehakelt und dann spazieren Lea, Tina und Meike raus.
„Wo sind unsere Fahrräder?“
„Weg? Ich glaub, da waren Einbrecher“
„Ha-Ha!“
Kichernd ziehen die Mädchen in streng geheimen Club Geschäften davon, ich marschiere zu Tomec und Ezra und putze Beide. Dann zieh ich Tomec aus der Koppel und ihm das Geschirr an, Kopfstück, Kutsche hinter, Leinen fest und los geht’s. Tomec geht langsam los, wir müssen noch mal halten, Gedenkminute, dann geht’s weiter. Nebel hechelt vor uns auf dem Bürgersteig ins Dorf davon und wieselt um die Ecke, Tomec läuft im Schritt hinterher. Wir traben an und er flitzt geschwind den Schusterberg hinauf und wir machen in den Wald. Eher Wäldchen, denn im Trab sind wir in 2 Minuten hindurch und gehen wieder im Schritt. Tomec ist lauffreudig. Gestern waren wir ausreiten und da war er auch fix unterwegs, hinten aus dem Wald raus kommt noch eine schöne Gerade und Tomec trabt wieder an, wir ziehen durch die laue Herbstluft an der Rübenkoppel vorbei, seine Hufe rascheln über das Gras und Nebel turnt auch irgendwo herum.

Am Querweg kommt von rechts eine Straßenwalze angerattert:
„Haalt!“. Tomec steht, die Straßenwalze kommt hinter dem Knick Gebüsch hervor und tuckert rumpelnd die Sandpiste glatt. Panzer eben, aber damit hat Tomec keine Probleme. Der Fahrer winkt, ich wink zurück, die Walze fährt geradeaus und wir biegen in den Sandweg ein, den die Walze grade planiert hat. Schöner neuer Sandbelag, superplatt, Tomec trabt weiter, ein bisschen in Schlangenlinien, denn links, zwischen hohen Grasbüscheln schaut ein Steintroll heraus und Tomec hüpft zur Seite. Ich halt ihn fest und wir marschieren weiter.

Am Ende der Sandpiste geht’s im Schritt rauf auf den Radweg, doch wir kommen nicht weit. Am nächsten Gehöft ist ein Mann mit einem großen Bunsenbrenner dabei, das Unkraut an der Steinmauer zu verkokeln. Da geht Tomec keinen Huf weiter, nein, nein, nein. Er will nicht und bevor er sich noch groß aufregt nutze ich eine Einfahrt und mach ne Wende. Im Stechtrab kantert er die Straße hoch, Nebel flitzt an unserem rechten Hinterreifen hinterher. Vor dem Holzlager mache ich wieder eine Wende und biege dann nach 200m in einen Feldweg ein. Die Grasbüschel in der Mitte des Weges wuchern so vor sich hin, ich lasse Tomec Schritt gehen. Ein Tracktor mit Pflug ackert links von uns die Furche um. Tomec schnaubt ab und streckt sich, feines Pony und marschiert zügig im Schritt voran. Der Weg zieht sich und wir traben wieder ein bisschen. Tomec hat wieder einen Troll gesehen, ich nicht, ist ja auch egal, irgendwann, ja dann, wird er stark sein und die Trolle auslachen.

Wir müssen über einen Bachlauf, das Wasser plätschert links und rechts unter uns durch, dann sind es noch ein paar Hundert Meter bis zur Wende. Wir könnten zwar weiterfahren, aber dann würden wir in der Stadt landen und da hab ich heut keine Lust zu. Ich will lieber zurück und über die lange Piste galoppieren. Wir wenden, langsam. Schön setzt Tomec seitwärts Huf vor Huf. Wir queren wieder den Bach, dann die S-Kurve, Trab und ab in die Gerade. Ich lass die Peitsche ein bisschen links und rechts an Tomecs Flanken züngeln und er flitzt los. Zuerst noch unkontrolliert, galoppiert er nach einer Weile richtig schön rund und gemäßigt die Piste hoch. Ich halt mich mal lieber an der Kutsche mit einr Hand fest, der Boden ist doch n büschen uneben. Im Kutschkasten klappern die Bremsklötzer, der Fahrwind umrauscht uns: Hei-Di-Ho!! Viel zu früh ist die Piste zu Ende und ich lass ihn im Schritt laufen:
„Juchu! Toll gemacht“, ich lob Tomec ein bisschen über den grünen Klee, er schnaubt, Nebel wedelt, komisch, das die Hunde sich auch immer gleich angesprochen fühlen, wenn man lobt. Dann geht’s wieder nach Hause. Das war unser erster längerer Galopp vor der Kutsche.

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Igel





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BeitragVerfasst am: 19.10.2008, 08:05    Titel: 08.10.2008   Antworten mit Zitat

Warm ist es, trocken und bewölkt und ich muss mal wieder Reiten. Mit
dem Kutschieren mache ich grad Pause, wegen den vielen großräumigen Mais-Silage Fahrzeugen die auf unseren einspurigen Neben-Straßen rotieren. Nicht, das Pony Tomec Probleme mit Panzern hätte, aber es könnte Stellenweise doch recht eng werden und datt mutt joh nich sien, ne? Also, fix das T-Shirt angezogen und zur Sicherheit noch eine Weste drüber, falls doch noch Wind aufkommen sollte, kommt er aber nicht. Tomec scharrt schon mit den Hufen (ha-ha!) und Ezra drängelt sich beim Putzen immer zwischen uns, als wenn er sagen wollte:
„He, nimm mich mit“.
„Nein Ez, du bleibst zu Hause, du schaffst das gar nicht mehr“, ich putze ein bisschen über Ezras schimmeliges Winterfell und schmiere noch sein Loch im Bein ein: Er ist in seiner Blindheit mal wieder irgendwo gegen gelaufen und hat ne Schramme im Pelz und einen fetten blauen Fleck hatte er bestimmt auch, der ist aber inzwischen wohl abgeheilt, nur seine Schwarte ist noch ein bisschen Schorfig.

Zwischendurch kommt auch Tomecs Hasenfell nicht zu kurz. Gesattelt zieh ich ihn dann aus dem Offenstall, Hündin Nebel kringelt sich schon aufgeregt fiepend um uns herum:
„Ja-aah, nicht so schnell, Nebel, ich muss noch Nachgurten!“ Ich gurte und führe Tomec zur Aufsteigehilfe, schwing mich in den Sattel und wir trotten vom Hof. Um die Ecken geht es, in die Walla-Pampa in Richtung nächstes Dorf. Gleich nach ein paar 100m schieb ich Tomec in den Trab und wir Dackeln locker über den grasigen Seitenstreifen flott von Dannen. Später, rechts, mitten auf einer Stoppel Koppel, sehe ich einen Pflug und: Schööön! Er ist erst halb Fertig, der Pflüger, der Voracker ist noch fest und tragfähig. Ich will über die Straße machen, auf die Koppel rauf, doch von vorne kommt noch so ein Silage Trumm angescheppert („Flieg, Gladiator“, steht oft hinten auf den Silage Containern) und den lassen wir erst noch vorbei fliegen, weil Nebel doch noch Zeitung liest, und wir haben ja auch keine Eile.
Noch nicht. Alles frei! Jetzt aber!
Husch: „Nebel! Komm!“ Juppieh, wir fegen über die Straße in die Koppel rein und preschen im Galopp den kleinen Hügel hinauf, Nebel folgt flockig hinterher. Von weitem winkt noch jemand, hach, mein Papa auf m Rad, ich winke zurück; wir nehmen im Galopp die nächste Gerade und preschen mit der Spur einmal um die Koppel herum. Juchhu! An der Siedlung gibt es einen Durchschlupf, nicht für Menschen, aber für Ponys geeignet! Wir machen hindurch und hinten wieder raus aus der kleinen Häuseransammlung, in die Pampa. Ein Fußgänger mit männl. Border Collie bei Fuß bleibt links hinter uns zurück. Nebel ist (göttin-sei-dank) nicht mehr läufig und ignoriert die schwarzweiße Puschelpfote komplett.

Ein Auto kommt von hinten die schmale Straße hoch und zieht langsam und leise knapp an uns vorbei, Tomec ist so vertieft, in Nebels wedelnde Hunde Rute vor seiner Nase, das er erschrocken zusammenzuckt, aber tapfer weiterstapft. Ein paar Schafe blöken rechts. Wir machen an der Hauptverkehrsstraße rechts entlang, unerlaubterweise über den Radweg, aber anders geht es hier nicht. Tomec trabt schon wieder, wir sind echt schnell heute. Dann überqueren wir zwischen einem Moped und ein paar PKWs fix die Landesstraße und es geht wieder in einen engen Nebenweg, geradeaus traben wir entspannt die Grasbanketten entlang.

Am abgeernteten Erdbeerenfeld mach ich dann aber doch mal langsamer und auch Tomec schnauft im Schritt durch und macht sich lang. Es ist warm, sogar meine Weste wird mir zu heiß und die Luftfeuchtigkeit ist ziemlich hoch. Nebel verschwindet tonlos aufkreischend im Gebüsch:
Ein Eichhörnchen! Keckernd lacht der freche Kerl von oben aus dem Baum auf Nebel herunter und Nebel findet das total unfair. Wir machen weiter, an einer Pferdekoppel staksen uns ein paar humpelnde Ponys entgegen und plötzlich taucht hinter uns ein Jagdhund alleine auf der Straße auf. Gefolgt wird dem Jagdhund dann mit einem Auto. Da ist wohl mal wieder jemand zu faul, mit seinem Hund Gassi zu gehen. Toll: Auto-Gassi!

„Darla! Bei Fuß“ schallt es kreischend aus dem offenen Limousinen Fenster mit dem dreizackigen Stern auf der Motorhaube.
„Darla!“ quaak, quääk, usw. das übliche Gekreische, ich muss grinsen. Wenn ich nun eine Kutsche dabei hätte, könnte ich Nebel auf den Bock hoch holen, aber ich hab keine Kutsche mit und so müssen wir andere Maßnahmen ergreifen. Die Fahrerin pellt sich ungelenkig aus dem Chassis. Also, den Hundenamen kann ich inzwischen auswendig. Die besagte Jagdhündin (sieht aus wie ein großer Münsterländer) kennt ihren Namen auch auswendig, das stört sie wenig. Mit blank gezogenen Eckenzähnchen und Bürste auf dem Rücken pirscht sich das folgsame Jagdhunde Tier weiter an Nebel heran.
Zitat der Jagdhunde-Besitzerin: „Ist das eine Hündin?“
Antwort „Ja-oh“!
Besi: „O-oh, das geht nicht gut! O-oh, das geht nicht gut“. Gebetsmühlenartig, aber das ist ja nicht mein Problem, gelle? Und Angst machen gilt auch nicht, sonst muss ich noch absteigen. Das Jagdhündchen Darla scheint mit Nebelchen ganz was Böses im Schilde zu führen. Nebel auf Toast? Das geht ja wohl gar nicht. Tz! Wir nehmen schon mal Aufstellung, zum Hunde-Niederreiten. Ich brüll prophylaktisch ein bisschen den Jagdhund an, vielleicht hört Darla doch noch mal:
„Aus! Sitz! Platz! Arschloch nach Hause“, usw., was man halt in so einer Situation so brüllt. Das Arschloch war für die Besitzerin, aber ich bin mir ziemlich sicher, dass sie mich nicht verstanden hat.

Nebel hat sich netterweise hinter Tomec versteckt, das macht sie immer so. Aber irgendwie ist sie wohl hinter seinem Schweif dann doch noch zu sehen, oder Tomecs Schweif ist zu kurz oder zu schlecht gefönt? Der Jagdhund nimmt auf jeden Fall Anlauf, Tomec und ich auch (man reiche mir bitte einen Speer!), Darla prescht vor, ich auch, brüll Darla an und Tomec trampelt den Jagdhund korrekt über den Haufen.
Quietsch! Fiept! Mami! Hilfe.
Die Jagdhündin trollt sich zu der Sternchen Fahrerin, anscheinend will sie mit Tomec nicht spielen, und Nebel ist irgendwie uninteressant geworden. Tomec liebt es, Hunde über den Haufen zu trampeln, das macht er auch immer gerne, wenn Nebel mal nicht aufpasst, aber ich schreite dann immer rechtzeitig ein. Die Jagdhunde Besi zerrt am Halsband ihre Darla ins Auto und verpiepelt sich unauffällig. Wir machen weiter. Nebel und Tomec sind wohlauf:
„Nebel, fein gemacht! Tomec: Super!“ ich lob sie ein bisschen über den grünen Klee und wir pirschen uns an die nächste Stoppelkoppel heran. Unter einem gemächlich rührenden Windrad durch geht es auf einen abgeernteten Mais Stoppel Acker und wir können noch mal so richtig schön die Tube quetschen. Juchhu! Hinten, auf die Straße raus, geht es dann geruhsamer nach Hause.

Zu Hause ist Tomec pitschenass, kein Wunder, bei dem schwülen Tropenklima. Ich schwämme ihn ab, dann gibt’s Abendbrot und ein paar Stunden später fängt es an zu Regnen, es riecht nach Gewitter.

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BeitragVerfasst am: 28.10.2008, 09:42    Titel: Ich hab (kurzfristig) Tomec verloren.   Antworten mit Zitat

Die Ponys waren ein paar Stunden im Garten um ein bisschen das herbstliche Gras zu kürzen. Ich wollte sie wieder auf die Koppel zurück treiben. Ezra stand genüsslich mampfend mittem im Weg, aber wo ist Tomec? Weit weg kann er nicht sein, mhmm, sonst würde Ezra einen kleinen Auftand machen. Zur Besorgnis besteht nicht wirklich ein Grund - aber -
Wo ist Tomec?

Pfeiffen. "Tomec, wo bist du?" Die Hunde hab ich auch nicht dabei, also kann ich sie nicht auf Ponysuche schicken.

Kein Tomec weit und breit zu sehen, kein Hufgetrappel zu hören. Ich schieb schon mal Ezra auf die Weide, Bewegung setzt sich ja manchmal fort und evtl. kommt das Hasenfell irgendwo zwischen den herbstblättrigen Büschen hervor gekrochen.

Nix zu machen.

Ezra vertieft sich weiter weg, auf die Koppel. Plötzlich ein trauriges "Hüh-hüh-wieher"

Nanu? Tomec steht, engeklemmt, hinterm hölzernen Kinderspielhäuschen. Hinter ihm ein umgefallener Pfosten, vor ihm eine Schubkarre und links und rechts ist er eingerahmt von der Rückseite des Kinderspielhäuschens und dem 1m hohen Jägerzaun.

Rückwärts ausparken, über den Pfosten, der so 20cm hoch liegt, traut er sich wohl nicht und hinter der herbstfarbenen Buche, die er so n büschen gerupft hat, ist sein Fell kaum zu sehen. Ich schieb die Schubkarre zur Seite und langsam trottet Tomec auf die Weide und schließt sich Ezra an.

Vg Winken

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BeitragVerfasst am: 25.11.2008, 09:36    Titel: November   Antworten mit Zitat

Glücklich Och Menno, heute Nachmittag kommt Verwandtenbesuch, da muss ich zusehen, das ich mit dem Pony noch fix heute Vormittag eine Runde um den Block schaffe. Das Wetter ist neblig und trocken und ich zieh heute Ezra aus dem Offenstall, der alte Sack ist dringend mal wieder dran, für eine Runde kutschieren. Was für eine Matschkruste, wir haben z. Zt. tagsüber ca. 10°C und mehr. Ezra hat sich gesuhlt wie ein Pinnschwein und alles ist hübsch getrocknet. Die langstachelige Haarbürste kratzt den Modder trocken runter und der rieselt staubig zu Boden. Puäh.

Unterm Bauch ist die Matsche noch feucht und ich zieh nur ein Muster hinein, gewaschen wird im November bei mir nicht mehr. Jetzt hab ich zwar einen Schecken und keinen Schimmel, aber = Egal. Außerdem wollen wir ja eh nur einmal um den Block und die Nachbarn kennen uns sowieso schon. Ezra schlurft dann vor der Kutsche langsam und gemütlich vom Hof und wir mäandern in die Wildnis. Der Nebenweg ist eng, ein Mercedes quetscht sich an uns vorbei, Ezra probiert einen kurzen Trab, trödelt dann aber wieder weiter. An der Biogas Anlage wacht er dann kurzfristig auf, spitzt die Öhrchen, hebt die Hufe und ich nehm in kürzer an die Leinen. Im Stechtrab schwebt er flugs dahin, so 500m, kaum ist die Anlage vorbei, geht sein Köpfchen wieder runter und wir machen gemütlich ummi Ecke.
Gegenwind. Steif kommt die Briese von der Nordsee übers Land gefegt, man meint, Salz zu schmecken, obwohl die Nordsee doch noch 50km entfernt ist. Mir fliegt fast die Mütze vom Kopf, Nebel Hund klettert durch die Böschung und spürt einen Fasan auf, der laut protestierend von Dannen flattert. Wir müssen noch ein paar Kurven und Ecken ausfahren, dann kommen wir ins kleine Moor, hier ist es Wind geschützter. Wir sind ungefähr ne halbe Stunde unterwegs und bis auf den Mercedes ist uns noch nichts weiter auf den Straßen begegnet.

Der einleitende Moorweg ist ca. 600m schnurgerade, ich hoffe auf einen Galopp, doch der Regen hat den Weg ausgespült. Grosse Pfützen wabern überall, kreuz und quer, Ezra schlängelt sich im Trab da durch, der Galopp wird bei dem kaputten Boden nicht funktionieren, Egal! Immerhin ist es sandig-nass und nicht matschig-rutschig. Dann müssen wir am gefluteten See um die Ecke, das alte Gras und die Schilfhügelchen wuchern Ezra bis ans Röhrbein. Die Kutsche holpert und poltert über den wenig befahrenen Buckelweg, mit einer Hand hab ich die Leinen Kurz, mit der anderen muss ich mich festhalten. Klapper, klöter klirr, die Schellen klingeln im Takt und Ezra ist superschnell und flitzt im Trab über die Buckelpiste, das ich mir vorkomme wie auf einer Achterbahn, juchee. Jetzt nicht Seekrank werden.

Dann kommt ne stramme Linkskurve:
„Hoooh.“ Ezra nimmt Gas weg, aber nur kurz, der verarscht mich (mal wieder). Kaum das ich mich entspanne, tritt er auch schon wieder an und galoppiert los:
„Menno, nicht so schnell“ ich muss voll lachen und lass ihm seinen Willen, es macht einfach Spaß und umkippen wird die Kutsche schon nicht. Dafür sind die Hänge zu hoch wir stapfen durch die Sand-Moor-Matsche zwischen Erika und anderem Schilf Kraut und kommen ans Fichtenwäldchen. Über uns wiegen sich die Wipfel stramm im Wind, hin und her, ich liebe den Wind, die losen Blätter von den Krüppeleichen umkreisen uns. Die Baum Wurzeln haben den Weg unterwandert, die Tannennadeln dämpfen unsere schaukelnde Fahrt. Ezra trabt immer noch, nu iss aber gut.
„Laangsam!“ Auf der letzten geraden Strecke kommen wir wieder der Zivilisation näher. Verschnaufen. Ezra geht im Schritt – links neben uns auf der Weide hüpfen bald ein paar Tütenpferde in ihren Pyjamas und – Huch –
Was ist denn das?
Ein drittes Tütenpferd galoppiert grade über den tiefen moorigen Stoppel Maisacker rechts von uns?
Nanu?
Ich komme zur Koppel Einfahrt, der Zaun ist runtergetrampelt. Die beiden Ponys, die noch auf der Koppel sind, haben wohl keine Lust, abzuhauen. Brave Tütenponys. Und nun? Kein Mensch weit und breit zu sehen, ich turne von der Kutsche, ein Anbinder ist auch nicht zu sehen = Improvisieren. Mit Ezra & Kutsche erstmal ne Volte an der Hand und dann einhändig drei durchgerissenen Litzen flicken. Es ist kein Strom drauf. Das Tor zu schließen, damit die anderen 2 Ponys drin bleiben. Das ausgebüchste Tütenpferd hüpfelt auf und zu und haut dann aber wieder ab. Schon blöd, wenn man keinen Beifahrer hat, aber es lässt sich nicht ändern. Ich krieg die Koppellitze zusammen geknotet und kletter wieder auf die Kutsche. Wir fahren zum nächsten Anwesen:
„Ding-dong… keiner da. Aber hinten, beim nächsten Bauern, da sehr ich Lisa grad über den Hof gehen (… schnell noch Nebel auf den Bock geholt, weil Lisas Hofhund ein bisschen zickig ist):
„Moin Moin, weißt du, wem die drei Pferde am Moor gehören? Da ist eines über den Zaun gehüpft“ – „Ohweh, ja, das sind Birgits, ich sach ihr Bescheid“. „Das ist super, tüüss“ „Joh, alles klar“. Göttin-sei-dank ist hier ja nie Verkehr. Wir fahren weiter, nach Hause, Ezra chillt ein bisschen ab, schnauft durch und streckt sich. Am nächsten Hügel will er aber wieder traben und wir zuckeln die letzten Kilometer dahin.
Tomec wiehert in den höchsten Tönen (Tomec hat eine Shetty-Stimme) und kommt in buckelndem Galopp das Hügelchen hinab gebrettert. Ich schirre Ezra aus, putze ihn ab und lass ihn wieder auf die Weide, es gibt noch Rübenblatt, Äpfel und Heu.
- -
Später kommt dann der Besuch – WE und Verwandtschaft = Gaanz toll! Und noch später kommen die Schafe auf die Nachbarweide. Ezra hat heute volles Programm – mit röhrendem Schnauben und wedelndem Kopf versucht er die Schafherde, die sich über den Horizont langsam näht, davon-zu-prusten!

Tomec macht es Ezra gleich nach und wedelt so mit dem Kopf herum, das seine Mähne fliegt und ich fast einen Lachanfall bekomme. Die Schafherde steht noch ein paar hundert Meter entfernt und hat sich wohl von den Ponys beeindrucken lassen, jedenfalls drehen die weißen Wollknäuel ab, was Ezra natürlich überhaupt nicht beruhigt. Irgendwas ist noch da. Irgendwo. Und es soll weg gehen. Jetzt! Die ganze Nacht pflügen die beiden die Koppel um.
Am Morgen, beim Füttern, bin ich erstaunt, das sie überhaupt was gefressen haben. Die Piste ist total umgegraben, von Weide kann keine Rede mehr sein, sieht mehr aus, wie ein Fußballplatz. Ezra hat eine schöne Volte gepflügt, er hat so seine Bahnen, die er immer läuft.
Tomec hat Hunger und kommt gleich an, wie ich mit Rübenblättern und Heu komme. Ich greife mir den Ezra an der Mähne und lotse ihn in den Unterstand. Dann wird er ausgiebig gekrault, menno, ist der verspannt. So langsam kommt sein Kopf runter und ich kratzt ihm die trockene Matsche aus m Fell. Zum wälzen ham sie aber auch immer Zeit.
Ezra hasst Nachbarn, aber Tomec wird sich sicher irgendwann wieder einkriegen. Ich brauch mir im Moment auf jeden Fall keine Sorgen machen, das irgendwer zuwenig Bewegung bekommt.

Vg PferdNacht

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