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Geschichten von meiner Freundin Beli   

 
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Charissima
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BeitragVerfasst am: 04.08.2008, 11:15    Titel: Geschichten von meiner Freundin Beli   Antworten mit Zitat

Diese Geschichte sandte mir meine Freundin Beli. Sie gefällt mir so gut, dass ich sie hier einstellen möchte:

Huij, Scheibenkleister, habt´ s ihr ´s schon gehört? Der Ponyhändler aus Busdorf wurde (angeblich, nix genaues weiß man z. Zt.) ermordet. Er wurde in einem Wald bei Jagel(?) gefunden. Nachdem er einen Monat als vermisst galt und seine Anverwandten ihn eher auf Hawaii oder den Malediven wähnten, war es dann ein ziemlicher Schock. Sönke ist tot, 48 Jahre alt ist er geworden.

Von Sönke hab ich damals den Ezra, und auch Max-Fu, gekauft und musste wegen der aktuellen Ereignisse grad wieder daran denken. Ezra lebt heute noch. Damals, ja, da war ich gerade 18 Jahre alt und hatte während meiner Ausbildungszeit fleißig gespart, weil ich mir doch ein Auto kaufen wollte. Mit 18 Jahren braucht man so was unbedingt, um in die Disco zu kommen und überhaupt!

Woher ich das weiß: Na das steht doch alles in meinen Tagebüchern. Andere verdrängen ihre Jugend, ich hab sie schwarz auf weiß. Oder Lila auf Sepia. Lila Tinte war damals total modern! Aber, weiter mit der alten Geschichte: So, da saß ich nun mit meinen 2000,- DM, das war viel Geld, denn das Auto bekam ich netterweise von meinen Eltern geschenkt. 2000,- DM hatte ich zuviel? Und ich wusste auch sofort, was ich damit anfangen wollte: Ein Pony muss her! Juchhu, endlich! Sofort! Direkt! Gehen Sie nicht über Los!

Und wo geht man hin, wenn man fast Minderjährig ist und ein Pony will? Genau, zum lokalen Ponyhändler. Ich war absolut nicht zu bremsen, hab es außer meiner besten Freundin niemanden gesagt und bin mit meinem Nigelnagelneuen knallroten Gebraucht-Opel Kadett B losgezogen, ein Pony zu kaufen. So parke ich denn vor dem alten Ponyhof, damals noch mitten in Busdorf, und schau mich um.
„Moin! Ist der Sönke da?“ frag ich so eine Feg-Elfe, die grad lustlos den Gang bürstet.
„Was willst DU denn von dem?“
Uihj, bin ich grad in ein Fettnäpfchen getreten? Egal – „Ähem, ein Pony kaufen?“ – „Ach sooo, na dann, der ist oben“, sie zeigt die Metallstiege hoch. Ich trab die Treppenstufen hinauf zum Loft, das es scheppert. Sönke und sein Kumpel sitzen, in aromatischen Düften schwelgend, vor einem Porno aufm Sofa und sind gut drauf.
„Hallo, ich bin Beli und wollt n Pony kaufen“
„Cool, komm doch rein, rauch einen mit und guck mit uns den Film an.“
„Neee, Tim und Struppi kenn ich schon, können wir?“

Sind die nicht dicht? Ich will n Pony, nun aber los. Hopp. Hopp. - Seufzt. „Okay-okay“, Sönke hievt seinen Astral Körper aus dem Sofa, er muss damals ungefähr 26 Jahre alt gewesen sein und wir klettern die Treppe runter:
“Was suchst du denn?” – „Na ´n Reitpony, irgendwas Junges fürs Gelände“ - „Aha, und genauer geht’s nicht?“ – Nöh, was haste denn da?“
Er zeigt mir ein paar seiner Ponys, okay, alles ganz nett und dann kommen wir zum Ezra, der damals noch Lord heißt und ich weiß ganz genau, DEN will ich haben. DEN und sonst KEINEN! Jetzt! Gleich! Am liebsten könnt er mir den gleich einpacken. Na ja, ich war 18, also? Schwärm-schwärm.

„Wie alt ist der denn?“ Ich versuche, unbeteiligt zu tun, aber Sönke iss ja nicht blöd. „Der ist 7 Jahre und noch Hengst“. Okay, kein Problem, „Kann ich ihn mal Probereiten?“ Er zieht den Lord/Ezra aus seiner geräumigen Box und schiebt ihm eine Trense ins Maul. Es geht nach hinten raus, auf den Feldweg, ich schwing mich auf Ezras blanken Rücken und presche so ein bisschen den Feldweg hinauf und wieder hinunter und wieder zurück: Genial! Jetzt wird’s haarig:
„Was soll er denn kosten?“ – „1500,-DM“ – „Ooooch, das ist aber schade, ich hab nur 1000,-DM“. Soll man lügen? Okay, beim Ponyhändler ist ´s erlaubt. Das heißt dann nicht Lügen, sondern Handeln.

„Wie, du hast nur 1000,-?“ – „Ja echt, leider, mehr hab ich nicht zusammen gespart.“ Ich erzähl Sönke die Geschichte mit meinem geschenkten Auto. Mhmm, Sönke lacht und schüttelt seine Rastalocken, überlegt und dann schlägt er ein. „Kannst du ihn mir rum fahren?“ – „Bist du wahnsinnig? Bei dem Preis musst du ihn schon selber abholen“. Okay – okay, Hauptsache ich hab ihn; vor Grinsen kann ich mich kaum noch halten, werfe mich nach einer 100,-DM Anzahlung in meinen Nigelnagelneuen Gebraucht Opel und düse nach Hause.

Am nächsten Samstagmorgen bin ich dann, nach ein paar schlaflosen Nächten, wieder auf der Matte: „Hallooo, mooooin, einer da?“ Ich finde Sönke hinten bei den Ponys: Für Ponys und Pferde hatte Sönke echt ein Händchen, keine Frage! Er macht grad Pediküre bei einem zappeligen Wildfang und wir Quatschen ein bisschen. Ich versuche, noch etwas über Ezras Vergangenheit herauszubekommen, aber, nun ja. Im Endeffekt ist s auch egal:
„Wo hast du deinen Hänger?“, fragt Sönke mich. „Wie: Hänger? Ich reite ihn nach Hause, sind ja nur bummelich 10km“ – „Ähem, okay.“ Ich überreiche das Kaufgeld und dann zieh ich Ezra eine von meiner Freundin geliehene Wassertrense ohne Reithalfter über den Schädel, pack ne lose Decke auf seinen Rücken, damit meine Hose nicht so schwitzig wird, und trabe vom Hof runter. Vorne raus, Richtung Spaziergängerweg Haddeby und dann durch den Tunnel, rechts den Radweg hoch, Richtung Stadt. Ich komme am Auto-Rastplatz vorbei und werde, total Glücklich Blöde Grinsend, auf meinem ersten Ausritt mit meinem ersten eigenen schimmeligen Pony, auch gleich von einem Sommer-Russen, ähem: Touristen auf Super 8 gefilmt.

Dann geht’s runter, hinter der Lärmschutzwand entlang und unter der Brücke durch auf den Gottorfer Damm, rein ins Getümmel. Über die Ampel. Ezra ist ein Flitzer, deswegen hab ich ihn ja gekauft. Schritt geht gar nicht und besonders geländesicher ist er auch nicht. Aber lustig: Über den Gottorfer Damm will er dann nicht gehen, rechts ist die Schlei (Wasser) und links ist der Burggraben (noch mehr Wasser), die Straße ist noch nicht ausgebaut. Ich steig ab und führe ihn auf dem Bürgersteig bis zur Schlei-Tankstelle, dann geht’s den Hesterberg hinauf, an der Realschule, Schwimmhalle und Domfriedhof vorbei, mäandern wir so durch die Vorstadt. Ezra braucht echt kein Gaspedal, nur die Bremse darf ich nicht vergessen. Mit leicht angezogener Handbremse reiten.

Wir trippeln weiter und galoppieren, außerhalb der Stadt den Rest durch den Wald, ich lass ihn laufen, boah ist dieses Pony schnell! Bis nach Hause stürmen wir wie der Wind. Ezra ist dann etwas erschöpft, weil er keine Kondition hat. Meine Eltern sind grad am Melken, als ich um die Ecke geritten komme, und fallen aus allen Wolken:
„Was ist das denn?“ – „Mein neues Pony!!!“ - **Stolz*bin*wie*Oskar* - „Und wo soll der stehen?“ – „Natürlich auf der Hauskoppel!“ Ich ziehe Ezra die Decke vom Rücken und führe ihn auf die Hauskoppel, auf der ein Schwung Kälber laufen, so 6-8 Stück. Ich ziehe Ezra den Zaum runter und lass ihn frei. Ezra prescht schnurstracks auf die Kälber los und jagt die durch den E-Zaun: So was Außerirdisches will er nicht auf seiner Koppel haben! Punkt. Komischerweise ist er auch schon wieder echt fit.

Okay. Die entlaufenen Kälber werden gemeinschaftlich wieder eingefangen und auf eine andere Koppel verbracht und Ezra muss alleine schlafen, bis meine Freundin später mit ihrem Isi-Shetty Mix Poldi kommt, der von nun an für ein paar Jahre Ezras Weidekumpel wird. Naja, das war der Anfang meiner „Eigenen“ Reiterei, wie kam ich noch gleich auf die alte Geschichte? Der Sönke, ja, schade drum, er war echt n schlauer und eigener Fuchs.

Ich hab später noch den Max-Fu, ein Shetty-Welsh Mix Pony Jährling, vom Sönke gekauft. Der Max war mindestens ein genauso tolles Pony wie Ezra. Dann gab’s noch einen Geländereitkurs mit Klaus Ditzig beim Sönke. Und ein paar Mal habe ich in Busdorf im Heu übernachtet, auf meinen div. Wanderritten.

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Wer die Menschen kennt, lernt die Pferde lieben.
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Sharilyn



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BeitragVerfasst am: 04.08.2008, 16:01    Titel:   Antworten mit Zitat

echt ne tolle Geschichte - und super geschrieben Lächeln

hach ja... ganz so abenteuerlich war's bei mir nicht Wink alt
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Fia



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BeitragVerfasst am: 04.08.2008, 19:56    Titel:   Antworten mit Zitat

wow, deine Freundin hat ein Talent was Geschichtenschreiben angeht!! Super !
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bla bla blubb
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Charissima
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BeitragVerfasst am: 16.08.2008, 10:59    Titel: Heu holen   Antworten mit Zitat

Finde ich auch, dass sie Talent hat. Hier kommt die nächste Geschchte:

Ein Bauer aus dem Nachbahrdorf hat Gras-Silage gemacht. Mit seinen riesigen Maschinen kommt er aber nicht unbedingt in jede Ecke der Koppeln hinein, und so hab ich dann mal Ezra angespannt und meine Kutsche zum Milchwagen umgemodelt. Mhmm echt blöd, früher, als ich mir eine Kutsche kaufen wollte, sagten alle zu mir:
"Kauf bloß keinen Milchwagen, den brauchst du eh niiiiee, kauf die lieber einen kleinen 4-Sitzer" - und ich Schaf hab das auch noch gemacht. In dem 4-Sitzer sitzen dann auch normalerweise nur ich und Nebel-Hündin und ich ärger mich, das ich keinen Milchwagen hab.

Aber egal – irgendwann.

Mit der alten Küchengardine von meiner Oma hab ich die Rücksitze der Kutsche abgespannt wie eine große Stoff-Wanne, und dann geht es los. Langsam und gemütlich schlurft Opa Ezra die Dorfstraße hinunter und trabt am nachbarlichen Schweinestall kurz an. Er läuft im Moment echt rund, trotz seiner 29+ Jahre und ich lass ihn mal machen wie er will. Bis zur Gras-Koppel sind es ungefähr einen Kilometer.

Wir kommen hinter dem Dorf in die erste Gerade. Am Ende der Geraden ist Ezras Verhasstestes Objekt überhaupt: Der Ferkel Aufzuchts-Stall. Was so ein paar Hundert Ferkel für einen Krach machen könne, das geht auf keine Ezra-Haut. Mit schlurfen ist es echt vorbei. Ezra rollt seinen Hengsthals rund und kantert so - 2links - 2 rechts - hüh - hüpf - dahin. Ich kann ihn aber nicht laufen lassen, weil gleich die Querung über die Landesstraße kommt und so ist Ezra etwas genervt und geladen, als wir halten müssen.

Egal. Anhalten. Ezra schnauft wie ein erkälteter Drache. Wir lassen noch ein Auto vorbeihuschen und flitzen dann los; Halt, brrr, nee, nun doch nicht so schnell: " Ezra: Gegenverkehr! Hoh, Brauner!"

Ezra trabt langsamer und der PKW kullert mit winkenden Leuten drinne, in der engen Teerstraße an uns vorbei. Noch ein paar 100m, dann sind wir da und traben auf das frisch abgemähte Grasland.
"Hoh, Ezra, nicht so schnell, wir sind doch da", ich will ihn eigentlich anhalten und im Schritt entspannt den kleinen Hügel hochgehen lassen, aber Ezra hat noch jede Menge aufgestauter Ferkel Wut und will RENNEN.

O.K., okay. Ich lass ihn laufen und mit scheppernder Deichsel galoppiert er im Jagdgalopp das Hügelchen hinauf, das Nebel kaum hinterher kommt. Als er anfangen will, zu Bocken, mach ich aber Schluss:
"Hollah. Nun reicht´s, Ende Gelände, Hooh".

Ezra fällt brav in den Trab und ich sehe schon den ersten Schwad Heu mitten auf dem Feld liegen. Rechts hinter uns ziehen dicke fette schwarze Gewitterwolken auf und die Bremsen und Fliegen schwirren wie blöd um uns herum. Ich steige ab und binde mir die 10m langen Kunststoff Leinen vom Ezra ums Handgelenk, weil ich ihn hier ja nicht anbinden kann. Ezra steht einigermaßen ruhig, bis auf die Fliegenpest, und versucht ein bisschen zu grasen, während ich mit der Forke das lose Heu hinten in Omas Gardinen Wanne stapele. Wenn Oma das wüsste? - würde sie wohl lachen.

Noch ein Stück weiter: "Voran, Ezra, langsam", er macht zwei drei Schritte "Brrr" und hält wieder an, damit ich einhändig weiter loses Superduftendes und Supergetrocknetes Heu aufstapeln kann. Inzwischen muss ich das lose Zeug schon ordentlich auf der Kutsche zusammenstopfen, damit nicht die Hälfte herunterfällt. Mist, ich hätte noch ne Gardine zum abdecken mitnehmen sollen.

O.K. Das reicht, Ezra mümmelt mit vollem Maul, ich verankere die Forke auf der Kutsche, Nebel düdelt irgendwo ganz hinten auf der Koppel herum, ich glaub, sie hat grad ne Maus gefangen:
"Nebel: Hopp, los geht’s". Ich klettere auf den Kutschbock und wende Ezra wieder Richtung Heimat. Die schwarzen Wolken türmen sich immer höher. Hinten aus dem Teerweg kommt ein Trecker mit 2 Korn Anhängern über den angrenzenden Weg herangefahren. Ich lasse Ezra wieder laufen und er galoppiert wieder sofort an und scheppert mit mir, dem Heu, der Kutsche und Nebel im Schlepptau wieder das grasige Hügelchen hinunter.

Wir fahren synchron mit dem Korntrecker, aber ich lasse dem natürlich die Vorfahrt und Ezra noch einen Schlenker traben, bevor wir wieder auf den Teerweg einscheren, hinter dem Trecker. Dann kommt wieder die Landesstraße, der Trecker mit dem Kornhänger hält aber schon vorher an und winkt mich vorbei. Der wartet wohl noch auf irgendwas.

Auf spitzen Hufchen und mit wackelnden Öhrchen stiefelt Ezra an den 2 Kornhängern und dem Trecker vorbei und wir halten an der Querstraße an. Alles Frei. Hopp-hopp. Rüber. Ezra startet durch und galoppiert wieder an der Ferkelbude vorbei, aber 100m hinter dem Gequieke lass ich ihn langsamer machen, und er kantert nur noch geschwind in den Ort. Hier geht’s die letzten paar 100m im Schritt und dann klatschen auch schon die ersten Regentropfen herunter.

Ich spanne Ezra aus, lass ihn auf die Koppel, schieb die Kutsche mit dem Heu in den Schuppen und schau mir noch ein bisschen die Wasserspiele an: Plitsch, platsch, tropf, während ich das Heu ablade. So wenig ist das gar nicht, ist schon erstaunlich, was in so eine Oma Gardine alles hineinpasst.

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Charissima
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BeitragVerfasst am: 16.08.2008, 11:03    Titel:   Antworten mit Zitat

Und weil's so schön war noch eine:


Ans Meer würd ik och gerne fahren, aber weil es so herrlich schwül ist und mein Knie auch etwas lädiert, fahre ich nun hier. Nicht nur mit dem Ezra, auch Tomec ist dran und macht sich im Geschirr bis jetzt ganz prächtig. Gestern war es mal wieder Tropenwarm, bewölkt und schwül. Mit kurzer Hose, T-Shirt und ner Flasche Wasser unterm Arm grade noch auszuhalten und so hab ich den Tomec mal wieder eingespannt.

Er läuft jetzt Einspännig, da Ezra und Tomec zusammen im Gespann doch vom Temperament her zu unterschiedlich sind und Ezra manchmal einfach nur genervt ist, wenn Tomec nicht so mitmacht. Wenn Ezra genervt oder gelangweilt ist, fängt er an, ScheiBe zu bauen und das möchte ich vermeiden, ich glaub zwar nicht, das Tomec sich was davon abgucken würde, aber grade die ersten Fahrerlebnisse sollten für Tomec doch so stressfrei wie möglich ablaufen, Und somit laufen sie nun alleine, jeder Einspännig, Tomec mehr, Ezra weniger.

Wo war ich stehen geblieben? Genau: Nebel hechelt bäuchlings auf der Betonrampe und fiepst ein bisschen vor Aufregung, aber nur ein bisschen, denn es ist zu heiß. Ich hole Tomec aus dem Offenstall, putze ihm ein bisschen Sommerfell von der Pelle und schirre ihn an. Tomec ist hibbelig und nicht besonders gelassen. Gewitterluft macht auch Ponys irgendwie Elektrisch. Das Anschirren mache ich langsam und versuche, Tomec ein bisschen zu entspannen. Langsam taut er ein bisschen auf. Ich knuddel ihn zwischen den Anschirr-Gängen. Nun kommt das Kopfstück. Ich muss Tomec immer komplett anschirren, bevor ich die Kutsche festmache, damit er durch die Scheuklappen behindert, die Kutsche hinter sich nicht sehen kann. Das Geräusch der Kutsche kennt er ja, aber ich bin mir noch nicht so sicher, ob er es auch schon ertragen würde, ständig den Wagen hinter sich hergurken zu sehen, mit mir obendruff.

So, Kopfstück ist dran und nun noch die Leinen verschnallen und auf den Bock geschwungen, Nebel trippelt schon mal Richtung Straße und Tomec folgt ihr langsam. Er läuft wirklich gut vor der Kutsche. Im Schritt marschieren, wir gelassen aus dem Dorf hinaus, hoppla: Kaninchen von recht, nanu? Ich dachte, die sind ausgestorben? Nebel riskiert einen interessierten Blick, Niggelbraten? Jam-Jam: „Nebel, hier bleiben!“

Ich muss die Leinen kurz nehmen, Tomec braucht Anlehnung. Im Waldweg dann, auf der Grasnarbe, traben wir los, es holtert und poltert, besonders die Bremsklötze hinten im Kutschkasten klappern mit den beiden Glöckchen an der Seite im Takt um die Wette. Tomec windet sich so ein bisschen wie ein Aal dahin und wir machen in den Wald. Hier geht’s jetzt langsamer weiter, da Bäume und Ponys nicht wirklich kompatibel sind. Nebel patscht irgendwo in einen Teich und kommt mit total dreckigen Pfoten wieder rausgekrabbelt, eine Nutria hat sie aber nicht gefangen.

Ein fetter Beindicker Ast ist runtergeknallt und liegt vor uns quer über den matschigen Waldweg. Tomec geht manierlich Huf für Huf darüber weg, die Kutsche hängt kurz fest, dann zieht er flugs an und wir hoppeln drüber hinweg. Boing-Boing-Wackel. Raus geht es, aus dem Wald, irgend so ein Bauer läuft auf dem Rübenacker herum und Tomec verdreht sich seinen Kopf. Ich muss ihn ein bisschen antippen, damit er bei der Sache bleibt. Wir kantern und tra-loppieren geschwind die Piste runter und wieder rauf, dann müssen wir rechts rum, ein Bauer ackert auf dem Feld, das kann ich hören. Hoppla, der ist ja gar nicht auf dem Feld, na so was? Als wir um die Böschung herum schreiten, ist der Trecker mit dem Grubber hintendran mitten vor uns auf dem Weg und versperrt uns alles. Mist, das ist zu eng, da kommen wir nicht durch: Rückwärtsgang? Oder Wenden? Ich lotse Tomec in eine enge Wendung über die T-Kreuzung: Geschafft!

Nun müssen wir den Weg, den wir grade gekommen sind wieder 500m zurück traben. Der Bauer fährt grade aus weiter und macht sich aus dem Staub. Irgendwann kann ich auf einem Stoppelacker wieder wenden. Tomec ist nicht amüsiert darüber, das wir nun nicht mehr in die „Nach Hause-Richtung“ kutschieren, aber nach einem unmotivierten Schlenkern ist er gleich wieder frohgemut dabei. Netterweise ist Tomec kein Kleber oder Faulpelz.


Also, wieder die Graspiste hoch, ummi Ecke ohne Gegenverkehr und rauf auf die Landstraße. Recht ist der Schweinestall = vorbei. Irgendwas großes kommt von Vorne, ist aber noch nicht zu sehen: Ah, da, ein Trecker mit irgend ´ner fetten Acker Maschine hinten dran jault mit Karacho um die Kurve und schießt auf uns zu, Ich halte Tomec nicht zu fest und lotse ihn entspannt weiter und während das Trumm an uns vorbeischeppert, schaff ich es sogar noch zu winken, ohne das Tomec mir weghoppelt. Hach, der iss so Brav! Er hat eben keine Angst vor Panzern.

Links hinter uns türmen sich die Wolkenberge immer höher, die Spannung steigt und die Blitze zucken, der Donner rollt, aber es ist noch etwas entfernt. Wir machen in der Schwüle gemütlich nach Hause und Tomec kriegt noch mal kurz vor Schluß einen Rappel und will durchgehen. Keine Ahnung, warum, vielleicht hat ihm eine Bremse in sein nicht vorhandenes Ei gepickt? Er springt an wie Teufel und macht ungefähr 7 unkontrollierte Galoppsprünge und versucht, mir die Leinen aus der Hand zu reißen. Ich bleib ruhig und krieg ihn mit ein bisschen Witz-Erzählen und Insterburger Links und Rechts wieder auf den Pfad der Tugend zurück. Puh, er schnaubt ab und kriegt sich wieder ein. Braver Junge.

Ein paar PKWs überholen uns, gleich sind wir wieder zu Haus, Mia und Ezra wiehern schon. Einmal noch über die Kläranlage, die macht immer so saugende Geräusche, das mag Pony nicht so gerne, hihi, und merkwürdig duften tut’s auch. Nebel hat irgendwas gefunden: „Nebel, ko-om mit!“ Sie guckt und kommt und wir laufen in die letzte Gerade und ich schirre Tomec ab.

Der Tomec Hasenherz läuft echt ganz gut, ich kann mich nicht beklagen. Uns fehlt noch mehr Routine, aber das kriegen wir auch noch hin, denk ich mal. Ich verteile einen Eimer Äpfel und Heu an die Ponys und dann fängt es an zu regnen und das Gewitter, Rumms-Donner, ist da: Nebel will rein. Jetzt aber schnell.

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Noemi



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BeitragVerfasst am: 16.08.2008, 15:44    Titel:   Antworten mit Zitat

Herrliche Geschichten!
Schlag ihr doch mal vor ein Buch mit all diesen Geschichten zu schreiben.

Alltagsgeschichten sind doch das Beste...

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Igel





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BeitragVerfasst am: 10.09.2008, 07:32    Titel:   Antworten mit Zitat

Hoho - das mach ich denn, wenn ich in Rente bin, vorher hab ich einfach keine Zeit und wenn es sich gut verkauft, kauf ich mir ne Finka in Finnland

Vg Super ! Igel-beli Winken

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Guten Ritt & gute Fahrt wünsche ich! PferdNacht Ponys sind keine Höhlenbewohner.
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